Salutogenese: Definition und Wirkung

Seerose – Beitrag Salutogenese Was macht gesund

Salutogenese – was trägt zur Entstehung und Stabilisierung von Gesundheit bei? Wie bleibe ich auch in stürmischen Momenten gesund?

Salutogenese ist die Beschreibung bzw. die Lehre von der Entstehung der Gesundheit. Der Begriff Salutogenese setzt sich aus lat. salus, gesund und lat. genere, hervorbringen zusammen.

Die Salutogenese grenzt sich ab zur Pathogenese. Die Pathogenese (zusammengesetzt aus griech. πάθος, Leid(en) und griech. γένεσις, Entstehung) beschreibt, wie psychische und somatische Krankheiten entstehen.

In der Mehrzahl der Behandlungsversuche von Zwängen und Zwangsstörungen wird leider nicht gefragt, was gesund macht, sondern was gestört wirkt. Das erschwert es natürlich, aus belastenden Denk- und Handlungsmustern auszusteigen.

Konzentration auf Krankheit = problemstabilisierend

Die Pathogenese ist im psychotherapeutischen Bereich immer noch der dominierende Ansatz.

  • Wird vor allem die Frage gestellt, woher ein Problem kommt, was soll damit gewonnen sein?
  • Bei der herkömmlichen Behandlung von Zwängen wird davon ausgegangen, dass Zwänge wie eine höhere Gewalt über den Menschen kommen, der dann gegen sie ankämpfen, sie überwinden müsse.
  • Der Pathogenese-Ansatz ist beim Thema Zwänge nicht gesundheitsfördernd
  • Die Entstehung von Problemen auf psychischer Ebene hat fast immer mit Vermeidungsversuchen zu tun: „Ich will dies und jenes nicht denken, vor dem inneren Auge sehen usw.“

Salutogenese: Ich forsche bei mir nach, wann es mir besser geht, wie ich darauf hinwirken kann und wie ich auch dann gesund bleibe, wenn die Umstände ungünstig sind. Warum Salutogenese gesundheitsfördernd ist.

Über Gesundheit nachdenken: warum das gesund ist

Der Begriff Salutogenese wurde vom Medizinsoziologen Aaron Antonovsky eingeführt. Gesundheit ist in der Begriffswelt der Salutogenese kein statischer Zustand wie etwa ein Gewicht oder eine Größenangabe. Gesundheit ist ein Resultat aus Wechselwirkungen. Dazu zählen auch belastende Phasen. Mit anderen Worten:

  • Gesundheit kann von einem Menschen und dessen Umfeld morgens nach dem Aufstehen anders beschrieben werden als am Mittag oder am Abend
  • Gesundheit kann das Ergebnis – und auch das Zwischenergebnis – von Handlungen sein. Zwischenergebnis, weil sowohl ein Waldlauf oder ein Alkoholrausch ein anderes Gesundheitserleben hervorruft. Und selbstverständlich messbare Werte, z. B. Blutwerte.
  • Gesundheit kann auch das Ergebnis von Gedanken sein, von Bewertungen, von Einschätzungen, von inneren Bildern. Wer sich – auch regungslos auf dem Stuhl sitzend oder im Bett liegend – ein Ereignis in den schlimmsten oder schönsten Farben ausmalt, hat in jedem der beiden Fälle andere Gesundheitswerte. Massive Angstzustände können zu ähnlichen Ausfallerscheinungen (Konzentrationsminderungen, Schwindel, Gangunsicherheit usw.) führen wie ein Alkoholrausch.
  • Lesen Sie hierzu mehr unter So können Zwänge entstehen
  • Beides – körperliche Handlungen und mentale Leistungen können zur Entstehung von Gesundheit beitragen bzw. das Gegenteil bewirken
  • Beide Gesundheiten – die körperliche und die seelische – sind eins.
  • Mens sana in corpore sana – und selbstverständlich auch Corpus sanus in mente sana. Wie ein gesunder Geist in einem gesunden, kraftvollen und ausdauernden Körper die besten Lebensbedingungen vorfindet, antwortet natürlich der Körper auf die Signale eines gesunden Geistes

Salutogenese: alle Sinne auf Gesundung und Gesundheit – beim Wissen um Belastungen

Machen Sie den Test. Schreiben Sie sich eine Woche lang auf, welche Aktivitäten, Gespräche und Gedanken zu Ihrem Wohlbefinden beigetragen haben.

Welches Buchkapitel, welcher Artikel hat Sie zuversichtlich gestimmt?

Notieren Sie außerdem, welche Krisenmomente Sie gemeistert haben.

Das Kontinuum von Gesundheit und Krankheit zählt zum Gesundheitskonzept von Aaron Antonovsky

  • Es ist mit dem Leben nicht vereinbar, anzustreben, zu 100 Prozent gesund oder beschwerdefrei zu sein, weil das realistisch betrachtet gar nicht möglich ist
  • Es kommt darauf an, bei gegebenen Bedingungen – und dazu zählen auch schräge Gedanken und seltsame Ideen – gesund zu bleiben
  • Aaron Antonovsky hat den Fluss des Lebens beschrieben, in dem wir gute Schwimmer werden können, wenn wir uns dafür entscheiden. Wer in den Fluss springt und sich gut in ihm bewegt, wird sich als gesund erleben.

Salutogenese arbeitet mit sowohl als auch

Salutogenese ist ein Konzept, das mit Ambivalenz arbeitet. Bezogen auf das Thema Zwänge kann das heißen:

  • Während eine Seite von mir immer wieder komische Gedanken produziert, weiß ich, dass ich ein hilfsbereiter und respektvoller Mensch bin
  • Auch wenn es mir lieber wäre, nur freundliche und aufbauende Gedanken zu denken, lasse ich die weniger erfreulichen Gedanken auftauchen und von alleine weiterziehen
  • Obwohl mir eingeredet wurde, ich müsste frei von einengenden Mustern werden und alles in den Griff bekommen, öffne ich zum Zeichen meiner Freiheit die Hände – und lasse los, was ich in den Griff bekommen sollte

Gesundheit statt Zwänge – wer kann etwas zur Gesundung beitragen?

Zwänge, Zwangserkrankungen – Auflösung eines alten Irrtums (Startseite) 

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